In zehn farbenfrohen Guckkästen tauchen Passantinnen und Passanten tiefer in den Alltag von Menschen mit Migrationshintergrund ein, als ihnen lieb sein kann. Ein unbequemer Perspektivenwechsel.

Wer einen Nachnamen trägt, der mit „ic“ endet, ist auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt und findet weniger schnell eine Wohnung. Frauen mit Kopftuch hören oft die Frage „woher kommst du wirklich?“, auch wenn sie in der Schweiz aufgewachsen sind. Und Männer, die eine Kippa tragen, verstecken diese vermehrt unter einer anderen Kopfbedeckung. Wer zu gewissen Minderheitsgruppen gehört, sieht sich immer wieder auf ein einziges Merkmal seiner Identität reduziert: die Religion, die Hautfarbe oder die Herkunft der Familie.

«Im Alltag urteilen wir über andere Menschen oft zu schnell. Das ist meist nicht böse gemeint, sondern einfach menschlich», sagt Sonja Koch, Vorsteherin des Vereins Permeable und Ausstellungsmacherin von «Facettenreich». «Vorurteile helfen uns, Erlebtes einzuordnen und uns in neuen Situationen schnell zurechtzufinden. Damit stecken wir gewisse Menschen aber in Schubladen – wo sie nicht hingehören», gibt Koch zu bedenken.

 

Perspektivenwechsel

Mit der Wanderausstellung «Facettenreich» setzt sich Koch dafür ein, dass wir weniger von diffusem Halbwissen über eine Gruppe auf ein Individuum schliessen. Über Guckkästen an drei Stellwänden tauchen Passantinnen und Passanten tief in den Alltag von ausgewählten Menschen mit Migrationshintergrund ein. Die kunstvollen Comics in den Guckkästen handeln von behördlicher Willkür, Diskriminierung und Alltagsrassismus.

Für die Ausarbeitung der Comic-Geschichten sammelte die Ausstellungsmacherin diskriminierende Vorfälle aus erster Hand. Sie organisierte Workshops mit Geflüchteten, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und interviewte Menschen mit Migrationshintergrund. «Mit der Ausstellung möchten wir aufzeigen, dass die Vielfalt der Schweiz ein enormer kultureller Reichtum ist. Doch statt Wertschätzung erleben viele Zugewanderte und deren Angehörigen immer wieder Ablehnung, Diskriminierung oder gar offener Rassismus. Facettenreich soll dazu anregen, dass wir unsere Vorurteile überdenken. Denn Integration gelingt nur mit gegenseitigem Respekt und Verständnis», schliesst Koch.

In den kommenden Monaten ist die Wanderausstellung in Zürich, Basel, St. Gallen, Baden und Düsseldorf zu besichtigen. Eintritt frei. Daten und Veranstaltungen: www.facettenreich.world/ausstellung

 

Veranstaltungsdaten:

Zürich:

13. Mai – 19. Mai 2019, Weinbergfussweg vor der Kirche Liebfrauen
14. Mai, 18 Uhr: Abendveranstaltung «Teilhabe für alle!», Saal Pfarreizentrum Liebfrauen

20. Mai – 26. Mai 2019, Wasserwerkstrasse 101
26. Mai, 17 Uhr: Performance mit dem Flüchtlingstheater Malaika

 

Kontakt für Medienanfragen:

Sonja Koch

Telefon: +41 78 783 51 02 / +49 178 202 34 48
skoch@permeable.ch, www.permeable.ch
Projektwebseite: www.facettenreich.world

 

Bilder zu «Facettenreich – Andere Geschichten» (Prozessfotos und Visualisierungen und ab 20. Mai Fotos der laufenden Ausstellung) zum Download in Druckqualität unter: www.facettenreich.world/medien/ oder auf Anfrage per Mail an info@facettenreich.world.